Something
Mittwoch [Kapitel 3]

Der nächsten Morgen verlief wie der gestrige. Ich wurde von Mandys Wecker, mal wieder viel zu früh, geweckt. Trotzdem stand ich auf, packte meine Sachen und machte mich fertig. Wieder gingen wir gemeinsam zum Bus, und wieder – was mich wunderte – sah sie sich erst im Bus um, guckte dann enttäuscht und machte sich erst dann widerwillig auf den Weg in den hinteren Teil des Busses. In der Schule wurde ich, zu meiner Enttäuschung, immer noch genau so angesehen wie gestern. In allen Gesichtern, in die ich sah, stand es förmlich geschrieben. Die Neue. Doch nach der Hälfte des Tages viel es mir immer leichter, diese nervigen Gesichter zu ignorieren.
Ich fand mich, in der zuerst so unübersichtlich scheinenden Schule, auch immer besser zurecht, und musste in den Pausen nicht immer Mandy und ihrer Clique hinterher laufen.
Mit meinem Stundenplan hatte ich mich auch bereits angefreundet, nur an dem Cheerleader Training hatte ich keinen gefallen finden können.
Als wir heute nach hause kamen, waren Lucy und Kai bereits da Sie hatten etwas zu essen gemacht, und wir setzten uns in die Küche und aßen zusammen „Und, wie ist es so, Rosalie?“ fragte Lucy. „Super. Ab und zu etwas anstrengen in der Schule, aber insgesamt echt klasse.“ Antwortete ich wahrheitsgemäß. „Super, das es dir gefällt.“ Fügte Kai hinzu. Ich nickte nur, da ich mir eben gerade einen weiteren Bissen des leckeren Essens in den Mund geschoben hatte. Nach dem Essen gingen Mandy und Ich auf unsere Zimmer, und ich hörte wie unten der Fernseher eingeschaltet wurde.  Als ich mich in meinem Zimmer umsah, viel mein Blick auf den Laptop, der auf dem Schreibtisch stand. Ich fuhr ihn hoch und meldete mich an. Es wunderte mich, dass mein Benutzerkonto bereits angelegt war. Ich öffnete das Internet und ging auf die Webseite der Schule. Unter Schüler gab ich in die Suchmaschine den Namen ein. Keith. Im Bus vorhin war er das Hauptthema gewesen, und jetzt wollte ich auch wissen, wie er aussah. Nach einigen Sekunden öffnete sich ein Popup, mit der Überschrift ‚Keith‘. Es waren allgemeine Daten, die bei der Anmeldung aufgenommen worden waren. Nicht zu Privat, so das es in Ordnung war, diese im Internet zu veröffentlichen. Kein Foto. Ich war Enttäuscht. Ich gab ‚Mandy‘ oben in die Suchmaschine ein, und sofort öffnete sich ein weiterer Popup. Bei Mandy war ein Bild. Zu guter letzt gab ich noch meinen Namen ein. Auch hier öffnete sich ein Popup. Bei mir war, wie bei Keith, kein Bild vorhanden, und auch sonst weniger Informationen als bei Mandy.
Ich hatte nicht gefunden, was ich gesucht hatte, also machte ich den Laptop wieder aus. Es war schon spät, und ich war Müde. Ich zog mich um, putzte meine Zähne und ging ins Bett. Ich schlief sofort ein.
Auch am Mittwochmorgen wurde ich von ihrem Wecker geweckt. Ich sah jetzt schon, nach 3 Tagen, aus wie ein Zombie. Es lief also alles nach Plan, dachte ich sarkastisch.
Ich machte mich wie gewohnt fertig, und ging runter in die Küche. Kai und Lucy waren bereits weg. Ich ging an den Kühlschrank und nahm mir einen Apfel heraus. Ich hörte wie Mandy oben meinen Namen rief, doch ich antwortete nur mit „Hier!“. Einen Moment stand sie auch schon in der Küchentür. „Ach, hier bist du. Komm, wir müssen los.“ Und wieder ging sie hinaus, ohne auf mich zu warten. Hektisch schloss ich die Tür ab und rannte zu ihr, bis ich sie eingeholt hatte. Schweigend machten wir uns wieder auf den Weg zur Bushaltestelle. Da wir heute etwas später losgegangen waren, mussten wir nicht lange auf den Bus warten. Als wir in den Bus stiegen sah sie sich wiederrum um, und lächelte zufrieden. Verwirrt durch ihr lächeln schaute ich in die Richtung, in die sie guckte. „Geh doch schon mal zu den anderen.“ Sagte sie abwesend, und ich ging nach hinten durch. „Hi.“ Sagte ich wie an den Tagen zuvor, doch diesmal wurde ich nur mit schlechter Laune begrüßt. Fragend sah ich Felicita an. „Guck!“ war die einzige Antwort die sie gab, während sie auf Mandy zeigte. Mandy hatte sich zu einem Jungen mit blonden, etwas längeren Haaren gestellt, und redete ununterbrochen auf ihn ein. Er sah sie noch nicht einmal an, hörte ihr aber anscheint trotzdem zu. Verwundert drehte ich mich wieder zu Felicita um. „Wer ist das?“
„Das ist Keith.“ Antwortete sie niedergeschlagen. „Oh“, das erklärte ihr Verhalten natürlich.
Doch das war anscheint nicht das Wort, was Felicita aufheiterte. „Wir sind ihre besten Freunde, doch sobald er auch nur in der nähe ist, lässt sie uns links liegen.“ Sie klang ernsthaft entsetzt. Ich nickte nur. Immer wieder guckte ich zu den beiden. Er nickte nur ab und zu mal – anscheint war er kein Freund großer Worte. Auch nachdem wir ausgestiegen waren, hing sie weiter an ihm. Ich ging mit Felicita, Vivien, Leyla, Vanessa, Nicole, Sandra und Jennifer ganz normal zum Unterricht, obwohl heute alle ziemlich schlecht gelaunt schienen. Mandy kam erst kurz bevor die Stunde anfing, und wurde von den anderen geflissentlich ignoriert, doch sie sah nicht so aus, als würde es sie stören.
Sofort als es klingelte sprang sie auf und rannte nahezu aus dem Klassenraum. Mandys vermeidliche Clique versammelte sich an einem Tisch, und fingen an, lustlos über irgendwelche Sachen zu reden. Langsam gingen sie mir auf die nerven. Man konnte doch nicht so von einem Menschen abhängig sein, das man nichts mehr machen konnte, sobald diese Person nicht mehr da ist. Gedankenverloren starrte ich auf meinen Tisch. „Rose?“ rief Felicita mich. Seit wann nannten sie mich ‚Rose‘?! Auch egal, dachte ich mir, stand auf und ging zu ihr hinüber. „Hast du Lust mit mir raus zu kommen?“ fragte sie mich so leise, das die anderen es nicht hörten. Unsicher nickte ich, und wir gingen gemeinsam raus. „Schön mal etwas ohne die andere zu machen.“ War die einzige Erklärung die ich im Moment von ihr bekam. Eine weile gingen wir über den Schulhof bis sie sich auf eine Bank setzte. Zuerst blieb ich unschlüssig stehen, doch dann setzte ich mich neben sie. Traurig starrte sie über den Schulhof, und ich sah in ihren Augen, dass sie nach Worten suchte. „Wieso macht sie das?“ murmelte sie traurig. Ich zuckte mit den Schultern, bevor ich ihr antwortete, obwohl ich wusste, dass sie es nicht sah. „Was man für die Liebe nicht alles tut…“ Ich wusste nicht, was ich hätte sonst sagen können. „Liebe.“ Sie stieß das Wort voller Verachtung aus. „Ich liebe ihn. Leyla und Nicole auch. So ziemlich jedes Mädchen der Schule. Inzwischen ist die Liebe nichts mehr wert.“ Ihre Stimme brach fast weg, so nahe war sie den Tränen. Ich legte ihr Vorsichtig eine Hand auf die Schulter. „Hast du je mit ihm geredet? Hat er dich je angesehen?“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, hat er nicht. Aber das ist eine von Mandys Goldenen Regeln. Wer ihn Anspricht, der hat es ab da an nicht mehr leicht hier. Was sollen wir denn machen?“ Ich war geschockt. Ein Mädchen hatte so viele unter Kontrolle, und unterdrückte vor allem diese, welche ihr am nächsten standen.
Als die Klingel ertönte leerte sich der Schulhof schlagartig und nach ein paar Sekunden waren Felicita und ich die einzigen, die noch draußen waren. Langsam, als hätten wir alle Zeit der Welt, machten wir uns auf den Weg in die Sporthalle.
Die anderen Erwarteten uns bereits, fanden es aber nicht seltsam, das wir alleine weg waren, ohne ihnen bescheid zu sagen. Die Stimmung war immer noch bedrückt, und ich sah erst jetzt die Leyla und Nicole wirklich litten.
Als Mandy den Raum betrat, wurde sie, wie eben auch, einfach ignoriert. Nun jedoch schien es sie zu stören, und sie verdonnerte uns alles prompt zu etlichen Liegestützen. Wollte sie so unseren Willen brechen!? Wie Armseelig war das denn? Doch die Wut gab uns allen die Kraft, es durch zu stehen, obwohl danach alle so K.O. waren, wie ich, als ich das erste Mal mitmachte.
Das alles musste schon eine ganze Weile so gehen. Sie taten mir leid, denn auch ich hatte schon den Schmerz der Liebe am eigenen Leib erfahren müssen.
In der letzten Stunde, sollten sie noch mehr leiden. Keith war in dem Kurs, und alle mussten mit ansehen, wie Mandy die ganze zeit mit ihm flirtete. Ich würde mit Mandy reden, koste es was es wolle. Nach der Schule fuhr ich mit der Clique, wie gewohnt, zurück. Nur das es seltsam still war, da Mandy nicht bei uns saß. Ich stieg als erste aus, und Mandy trennte sich nur schweren Herzens. Auf dem Rückweg gab ich mir einen Ruck, und sprach sie darauf an. „War das Keith?“ fing ich erstmal vorsichtig an. „Ja, das war er. Und vergiss nicht, er gehört zu mir.“ Wie arrogant und selbstgefällig das aus ihrem Mund klang. Ohne weiter darauf einzugehen schloss sie die Tür auf und verschwand in ihrem Zimmer.
Das mit dem reden lief ja super, dachte ich sarkastisch. Am Abend ging ich früh ins Bett. Mir war nicht nach einem gemeinsamen Abendessen zumute.
Auch Donnerstag und Freitag lief es nicht anders. Sie ließ uns links liegen und hing die ganze Zeit an Keith. Die anderen, und vor allem Felicita, Nicole und Leyla, wurden immer bedrückter und trauriger, wobei es Fee am besten gelang, es nicht zu zeigen.
Im laufe der Woche gewöhnte ich mich an das seltsame Verhalten, was Mandy seit Mittwoch an den Tag legte.
Ich versuchte mir immer wieder einzureden, dass das nicht mein Problem sei, doch ich blieb dabei. Ich würde ihnen Helfen, und sei es nur ein kleines Stück.
18.3.09 10:00


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